Allgemein, Interview, Verlagsvorstellung

Verlagsvorstellung Oetinger Verlag – Interview mit Ruth Olshan!

Hallo zusammen!

ich habe euch letzte Woche dieses Buch vorgestellt:

Meine Rezension von mir findet ihr hier. Ruth Olshan war so lieb und hat mir ein paar Fragen beantwortet: 

Wie kam es zu der Idee der Geschichte?
Zuerst war der Titel da. Manchmal ist es ein Wort, manchmal ein Bild oder auch nur ein Gefühl. Das passiert mir häufiger, und sehr oft weiß ich nicht einmal, ob es ein Film, ein Buch oder noch etwas ganz anderes werden kann. Es fliegt mich an und ich gehe dem nach. Nach dem Titel kam dieses Bild von einer Person, die ihre Dinge weggibt und dazu die Frage: Warum? Warum macht sie das?
Ich bin ein Fan von Ausmist-Aktionen. Außerdem hatte ich in dieser Phase schon ein sehr vages Gefühl. Ich spürte, ein mir lieber Mensch wird gehen. So kam es dann auch. Und dieser Mensch nahm nichts mit. Kein Ding, kein noch so schönes Ding kann in den Tod mitgenommen werden. Das klingt etwas dramatisch, melancholisch vielleicht, weil aber mein Blick auf die Welt durch und durch positiv ist (mit kleinen dunklen Nebelwolken, die sich manchmal vor meine Linse schieben und die ich schnell fortschicke) suche ich auch immer den komischen, amüsanten Aspekt in den Dingen bzw. suche nach der Poesie, die immer hinter- oder vordergründig mitschwingt.
Und der Rest war eine Mischung aus „ich folge meiner Nase und meinem inneren Bild“ und Handwerk, das ich mir als Drehbuchautorin über viele Jahre angeeignet habe. Mittlerweile weiß ich, wie sehr ich meinen Figuren vertrauen kann, wenn ich schreibe. Sie erzählen die Geschichte. Ich helfe ein wenig nach, baue, gebe ihnen ein Sprungbrett, grabe nach dem Thema und den richtigen Bildern, aber vieles ist schon da. Man muss nur sich und der Geschichte vertrauen und natürlich dem eigenen Erzählstil.

Das Buch beinhaltet kein einfaches Thema, die Protagonistin ist krank und man weiß nicht, ob es schlimmer wird oder nicht, wieso gerade so ein Buch?
Das ist die Geschichte, die ich erzählen wollte. Ich glaube, die meisten Dinge im Leben sind tief, berühren, bereichern, wecken auf, lehren und amüsieren uns im besten Fall. Außerdem ist Tammie, die Protagonistin, nicht krank in diesem Sinne. Sie spürt ihre Krankheit nicht als Schmerz. Ein Aneurysma bedeutet Lebensgefahr und das in jeder einzelnen Sekunde. Aber wer von uns kann schon sagen, ob er die nächste Stunde gut überleben wird. Gerade weil sie um die Endlichkeit weiß, und ich eben genau dieses Thema erzählen will, muss sie diese große Hürde nehmen und sich für das Leben entscheiden, für die Liebe zu Fynn und damit auch für ein Loslassen von den ständigen Ängsten. Ich wollte ein Buch über Lebensfreude schreiben und darüber wie jeder Tag genossen werden kann, auch über das Loslassen der Dinge, die wir horten, aber nicht brauchen. Man kann sie für einen besseren Zweck weggeben. Ich habe aber in „All die schönen Dinge“ auch die Zeit vorher, die Phase des Lernens, des Entscheidens beschrieben. Fynn, ihre große Liebe, ihre beste Freundin Pat, ihre Freundin und letztlich auch ein Hund helfen ihr dabei.

Was ist der besondere Reiz, den ein Buch hat, wenn es um kein alltägliches Problem geht?

Eben dass ein nicht alltägliches Problem so alltäglich erzählt wird. Tammie räumt auf, verliebt sich, isst zu Mittag, streitet sich mit ihrem Bruder, beobachtet erstaunt die Veränderung in ihren Eltern und ihrer Umgebung, küsst zum ersten Mal, hält Händchen zum ersten Mal, hat Sex zum ersten Mal, lernt all die schönen Dinge des Lebens kennen, welche diese Teenie-Zeit so besonders machen. Es sind die großen Fragen, das große Stauen über das Neue, das neue Gefühl, die sich im Alltag verstecken. Und das Buch erzählt dies mit Humor, mit Kraft (Tammie lernt auch auf den Boden aufzustampfen!) und mit Sex. Ihre erste Liebe – die Sehnsucht nach Zärtlichkeiten und mehr ist immer groß, wenn das Herz überquillt. Ich habe versucht, dieses Britzeln und ihre neu gewonnene Entdeckerlust auch in den Sexszenen zu beschreiben. Dies mit all den Pannen, aber auch witzigen und alles einnehmenden, immensen Empfindungen und Momenten, die halt so passieren und auftauchen, wenn Sex zum ersten Mal erlebt, entdeckt wird. Oder war nur ich so tollpatschig am Anfang? Keiner da, dem das auch so ging da draußen…;-)?

Haben Sie ein Autorenvorbild?
Nein, ich habe mehrere Autoren, die ich gerne lese, aber ich lasse mich als Filmemacherin natürlich auch von Filmen inspirieren. Besonders erhellend finde ich, sich mit Kunst zu beschäftigen, weil hier Geschichten in einem Bild oder einer Installation erzählt werden. Miniaturen von großen Geschichten, kondensiert quasi. Ich lese quer Beet durch die Genres und auch Epochen (ausgenommen Horror-Literatur).

Was mögen Sie am Schreiben besonders?
Ich liebe das Schreiben! Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, Figuren zu erfinden, alles möglich machen zu können. Alles ist möglich. ALLES! Man kann sich in den unglaublichsten Welten bewegen. Man trifft Menschen, Figuren, die ich niemals in meinem Leben treffen könnte. Und das wunderbare ist: Sie leben! Sie sprechen zu Dir (manchmal auch nicht, dann grübele ich darüber nach, was ich mit dieser Figur so anstellen könnte – und stelle auch manchmal was mit ihr an…).
Aber vor allem liebe ich die Stille. Ich gehe tief in mich hinein, erinnere mich an ein Bild, an ein Gefühl und versuche das in Worte zu kleiden. Glücklich bin ich, wenn ich glaube, dass es mir gelungen ist. Wenn ich im Raum herum tigere und dabei eine Schokolade mümmele, die ich eigentlich nicht essen sollte, suche ich herum und bin weniger zufrieden mit mir.
Ich liebe es einerseits die Erzählerin zu sein, aber andererseits auch zu spüren, dass es sich von alleine erzählt. Es ist ein wunderbarer Prozess, harte Arbeit und gleichzeitig die tollste Reise durch Raum, Zeit und Universum.

War Autorin zu werden ein Kindheitstraum?
Nein, aber wenn ich mich erinnere, glaube ich, mein Traum war es, Geschichten zu erzählen. Deshalb bin ich zuerst Filmemacherin geworden und in dieser Branche liebe ich besonders den Dokumentarfilm. Er klingt wirklich platt, aber der Satz „Das Leben schreibt die besten Geschichten“ stimmt wirklich. Nur Sci-Fi geht in der Literatur besser, oder?

Wie sieht der Alltag einer Autorin aus? Haben Sie bestimmte Rituale?
Da ich ja nicht nur Autorin bin, sondern auch Dozentin, Filmemacherin, Drehbücher schreibe, habe ich eigentlich immer was auf dem Tisch, was geschrieben oder gelesen oder recherchiert werden muss. Meine Tage sind irgendwie gleich, weil ich mich jeden Tag mit irgendeiner Geschichte beschäftige, auch wenn es nicht immer ein und dieselbe ist. Wenn ich einen Roman schreibe, bin ich täglich eben an diesem dran, aber diese Zeit, diese Schreibklausur organisiere ich mir, indem ich die anderen Verpflichtungen (Abgabe von Drehbüchern oder TV Konzepten) beiseite schiebe. Mein Mann muss dann für Wochen den Haushalt alleine schmeißen und mich noch dazu bekochen, was er zum Glück tut…
Das einzige Ritual: Ich vermeide, mir Schokolade zu kaufen, denn die hat dann leider immer nur eine kurze Lebensdauer, das arme Ding! Und ich achte darauf, dass ich genug trinke, vernünftig (gesund) esse und mich ab und zu sportlich betätige. Das hat einen sehr simplen und egoistischen Grund. Mein Gehirn funktioniert besser, wenn ich meinen Körper lieb behandele und dann fällt mir auch das Schreiben leichter.

Haben Sie ein Lieblingsbuch? Vielleicht ja auch ein Geheimtipp?

Ui! Schwierige Frage. Nein, ich habe kein Lieblingsbuch. Die wechseln, unterliegen meinen persönlichen Moden und Stimmungen.
Sorry! Ist das sehr un-autoren-haft?

Wie viel steckt von Ihnen in Ihrem Buch “All die schönen Dinge”? 

Ziemlich viel, befürchte ich. In jeder Figur ist ein Stück von mir. Ja, leider auch von den unsympathischen Figuren…hat weh getan, es mir einzugestehen, aber es ist so. Wie ich oben schon geschrieben habe, wusste ich, dass eine mir nah stehende Person sterben wird, was ich aber erst erfuhr, als ich schon im Schreibprozess war. Tammies Fragen an das Leben sind auch meine Fragen. Ihr Mut, Fynns Sonnenstrahlen und absolute Treue und Liebenswürdigkeit habe ich in dieser Zeit auch von Menschen erfahren und auch versucht, diese zu erwidern.
Außerdem hatte ich einen Hund, den ich sehr geliebt habe. Und wenn ich Hunde in Filmdrehbücher reinschreibe, schreien die Produzenten auf, weil Hundetrainer teuer sind und Hunde nicht kontrollierbar auf einem eng getakteten Filmset. Deshalb habe ich Fynns Hund so eine wichtige Rolle in der Geschichte gegeben – und ich hatte sehr, sehr viel Spaß dabei.

Hat die Protagonistin Eigenschaften von Ihnen?
Ja, hat sie, aber ich verrate nicht welche…;-). Meine Freunde und mein Mann erkennen mich sofort in Tammie.

Wem empfehlen Sie ihr Buch zu lesen und warum sollte man es unbedingt lesen?
Ich empfehle es Jung und Alt! Es ist ein Jugendbuch, aber einige von meinen Testleserinnen und Testlesern waren Erwachsene – und haben sich zum Glück auch nicht gelangweilt.
„All die schönen Dinge“ ist komisch-tragisch erzählt. Man kann lachen und weinen, man kann sich vielleicht ein wenig selbst erkennen oder auch jemand anderen. Es geht um große Gefühle und kleine schöne Dinge oder um die kleinen Gefühle in den großen schönen Dingen. Und es geht um Sex, die ersten Erfahrungen mit Sex. Der Roman behandelt das wunderschöne Thema der ersten großen Liebe und das wichtige Thema der Endlichkeit. Beides ist miteinander verwoben. Und ich hoffe, es ist mir gelungen, dies mit Tiefe, einem zwinkernden Auge und einer Prise Poesie zu erzählen.
Ich freue mich auf Feedback von den Leserinnen und Lesern!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.