Verlagsvorstellung Arena Verlag – Interview mit Rainer Wekwerth

Hallo zusammen!
Ich habe heute ein Interview mit Rainer Wekwerth für euch!

Disclaimer: Ich habe das Interview am Telefon geführt. Ich musste es kürzen, weil es sonst viel zu lang wäre. Vielen lieben Dank Rainer Wekwerth für das tolle Gespräch!

Eine Vorstellung seiner Bücher findet ihr hier


Was ist das für ein Gefühl, wenn man sieht, dass die eigenen Bücher gut ankommen, wie bei der Labyrinth Trilogie?
Das ist natürlich toll, ein ganz tolles Gefühl. Man schreibt ja eigentlich immer Geschichten um Leser zu berühren. Man schreibt ja eigentlich nicht für sich selber, außer jemand der Tagebuch schreibt. Wenn man Geschichten schreibt, möchte man, dass sie irgendwie Freunde finden und wenn das natürlich so toll klappt, wie bei der Labyrinth Trilogie, wenn die Leser mit den Figuren richtig mitfiebern, wenn sie mir schreiben, wer sie berührt hat und wenn man dann auch noch Preise dafür gewinnt, ist das großartig. Vor allen Dingen, wenn man Jugendbuchpreise bekommt, d.h. alle wurden auch von Jugendlichen vergeben. Das waren Jugendliche, die in der Jury saßen und mein Buch gelesen haben. Das ist besonders toll, denn für die habe ich die Bücher geschrieben.

Du hast auch eine Kurzgeschichte in “Das Blaue im Himmel” veröffentlicht. Wie kam es dazu?
Arena hat mich gefragt, ob ich einen Beitrag zur Anthologie schreiben möchte. Es muss irgendetwas mit der Farbe blau zu tun haben. Der Titel für die gesamte Anthologie kam dann auch durch meine Geschichte. Ich hatte sofort den Gedanken von dem Mädchen, dass den Himmel sieht, aber eigentlich in der Gefängniszelle sitzt. Mir hat es riesen Spaß gemacht, das zu schreiben. Irgendwie war die Geschichte da. Ich glaube, dass die Geschichte mich ausgesucht hat und nicht ich sie.
Ist eine Kurzgeschichte eine andere Herausforderung als ein ganzes Buch?
Die Herausforderung ist eine ganz andere. Ich vergleiche das immer mit fotografieren und einem Film drehen. Wenn man eine Kurzgeschichte schreibt, ist das eine Momentaufnahme, das ist diese Szene, wo das Mädchen zum Strand runter geht und nachher löst sich die Szene auf in die Gefängniszelle. Aber das ist eine Momentaufnahme. Ein Roman ist wie ein Filmdreh, man muss alles im Blick haben. Es geht über einen viel längeren Zeitraum. Die Geschichte muss sich entwickeln, das tut eine Kurzgeschichte ja nicht, die ist so. Man muss seine Figuren im Griff haben, wie ein Regisseur seine Schauspieler. Man hat ein Drehbuch, das ist den Konzept und es ist eine ganz andere Herausforderung. Aber bei einer Kurzgeschichte muss jede Kleinigkeit stimmen. Bei einem Buch kann man auf 400 Seiten auch mal eine Länge drin haben oder es gelingt mal eine Szene nicht so. Bei einer Kurzgeschichte ist es wie mit einem Foto, dort darf auch nicht ein falscher Farbklecks oder ähnliches sein. Alles muss passen. Ich schreibe aber lieber Romane. Kurzgeschichten ist für einen Autor immer ein bisschen unbefriedigend, da man die Charaktere schnell wieder los lassen muss. Es ist schöner, wenn man sieht was aus den Menschen wird. Meine Romanfiguren sind meine Kinder und es ist natürlich schön, wenn ich weiß das es gut für sie ausgeht. 
Woher kommen die Ideen für Bücher?
Eigentlich weiß man das nicht so richtig. Es ist so, dass auf einmal die Idee da ist, woher die Idee kommt ist eigentlich nie ganz klar. Ich glaube. dass die Ideen sich die Autoren suchen und das auch nur dieser Autor die Geschichte richtig gut schreiben kann. Mein Buch passt zu mir. Ich habe einmal ein Buch geschrieben, das heißt “Die Leise Stimme des Todes”, da habe ich eine Idee konstruriert und ich behaupte bis heute, dass es mein schlechtestes Buch ist. Bei den besten Geschichten sind mir die Ideen zugeflogen. Die waren da und ich hatte das Glück sie schreiben zu können. Ich suche nicht nach Ideen, das machen viele Autoren. Ich suche aber nach Figuren. Bei der Labyrinth Trilogie sah ich nicht Jenna sondern Jeb am Anfang vor mir. Dann hat sich um sie die Geschichte entwickelt. Bei Blink of Time war es ähnlich. Ich hatte die Protagonistin vor mir und habe darum die Geschichte entwickelt. 
Ich frage mich, wie es dazu gekommen ist, was die Protagonistin erlebt, was war vorher und was passiert jetzt. Vergleichen kann man das mit einem Wollknäuel. Man hat das Ende gefunden und wickelt das ganze dann auf und muss dann den Pullover daraus stricken. 
Was liebst du besonders am schreiben?
Am schreiben liebe ich die Freiheit, die es mir gibt. Ich kann alles sein was ich will. Wenn ich heute ein Sklavenhändler bin, kann ich morgen ein Mordkommissar sein und übermorgen ein junges Mädchen, das in der Zeit fällt. Ich kann sein wen und wann immer ich möchte. Ich kann all die Abenteuer erleben, die man gerne erleben möchte, aber wiederum auch nicht, weil es zu gefährlich ist. Ich bin praktisch mein eigener Film. Ich kann jeden Tag jede Neben- oder Hauptrolle übernehmen. Es ist der tollste Beruf der Welt. Dennoch ist es sehr viel Disziplin. Man muss jeden Tag stundenlang schreiben. Man hat ja Verträge, Abgabetermine, die eingehalten werden müssen und Erfolgsdruck, d.h. die Bücher müssen sich verkaufen. Gerade wenn man eine Reihe hatte, die sehr erfolgreich war. Man muss am Ball bleiben, denn neue Bücher kommen dazu. Man muss sich ständig neu beweisen und erfinden. Man muss sich immer weiter entwickeln. Autoren kann man mit Fußballern vergleichen. Es spielen so viele Fußball aber so wenig spielen in der Bundesliga. Fußballer und Autoren müssen sich immer wieder beweisen. 
Die Labyrinth Trilogie soll auch verfilmt werden. Es fehlt nur der Regisseur, der Rest steht. Aber das kann leider noch dauern.
Auch nach 20 Jahren bin ich nicht so weit mit dem schreiben aufzuhören. Ich habe immer noch große Lust und fühle mich zu jung zum aufhören.
Wie lange dauert es ein Buch zu schreiben?
Das dauert ca. 9 Monate. Ich benötige ca. 3 Monate für die Vorbereitung des Buches, also für das Exposé.  Wenn ich das habe, dauert es nochmal 6 Monate bis das Buch geschrieben ist und natürlich lektoriert und so weiter ist. Dann geht es weiter mit dem nächsten Buch. Ich bin hauptberuflich Schriftsteller, daher muss das so sein. Die aktuellen Bücher werden vor allem gekauft, daher hört man nie auf. Aber Bücher spiegeln den Zeitgeist von daher ist das auch gut so. 
  



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